#Saytheirnames – Niemand ist vergessen

Anliegen

Seit 1990 sind in der Bundesrepublik über 200 Menschen Mordopfer rechter und rassistischer Gewalt geworden, wie die Amadeu Antonio Stiftung und der Opferfonds Cura recherchierten.
Getroffen hat es Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft, aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründen und mit vielfältigen politischen Einstellungen. Ihnen allen war jedoch gemein, dass sie in den Augen der Täterinnen und Täter kein gleichberechtigter und zu respektierender Teil der Gesellschaft sein sollten. Sie waren in ihren Augen lebensunwert und musste für die Menschenverachtung mit ihrem Leben bezahlen.
Oft waren die Täterinnen und Täter in rechtsextremen Gruppen organisiert und sind mit ihrer Tat einer rassistischen, homophoben und/oder obdachlosenfeindlichen Gesinnung gefolgt. Oft genug hatten sie aber auch keinen offensichtlichen rechtsextremen Hintergrund, sondern handelten auf Grundlage eines diffusen rechten Weltbilds. Doch handelten die Täterinnen und Täter nicht alleine, sie wurden gestärkt und geschützt durch in der Gesellschaft breit verankerte Vorurteilsstrukturen und institutionellen Rassismus. So sind z.B. bis heute weniger als die Hälfte der Taten nicht als rechte oder rassistische Gewalt durch die Bundesregierung anerkannt. Mit teils schwerwiegenden Konsequenzen für das Gerechtigkeitsempfinden, die Anerkennung der Tatumstände und die gesellschaftliche Rehabilitation der Angehörigen und Hinterbliebenen der Opfer.
Viel zu oft werden die rechten und rassistischen Taten nicht als solche benannt, entpolitisiert und das Leid der Betroffenen und Angehörigen ins Abseits der gesellschaftlichen Wahrnehmung gedrängt.

Im Jahr 2021 jährt sich das öffentliche Bekanntwerden des NSU zum 10.Mal, doch nur wenige wissen, dass 2001 auch das Jahr mit den meisten Todesopfern des NSU war: Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü und Habil Kılıç. Außerdem starben noch mindestens neun weitere Menschen durch rechte und rassistische Gewalt in diesem Jahr. Neun Menschen wurden seit 1990 in Thüringen wegen eines rechten oder rassistischen Motives ermordet.

Unter dem Hashtag #saytheirnames machen seit dem rassistischen Anschlag in Hanau am 19.02.2020 die Hinterbliebenen und Überlebenden auf die Gestorbenen jener Nacht aufmerksam und wollen sie nicht in Vergessenheit geraten lassen. Aber auch weltweit ist der Hashtag spätestens seit dem gewaltvollen Tod von George Floyd durch einen weißen Polizisten bekannt.

Um den durch rechte und rassistische Gewalt in Deutschland Getöteten zu erinnern und ihre Namen im öffentlichen Raum von Jena sichtbar zu machen, soll ein Linienbus von JenNah mindestens ein ganzes Jahr lang ihre Namen für alle in der Stadt sichtbar machen. Der Bus soll auch Mahnung sein, dass rechte und rassistische Gewalt nach der Wende weder mit dem NSU begann noch mit ihm endete. Denn was geschah, kann wieder geschehen. Es ist an uns allen bei rechten und rassistischen Gewalttaten nicht weg zu sehen, sondern zu handeln und solidarisch an der Seite der Betroffenen zu stehen.

Todesopfer seit 1990

In Thüringen:

Projektpartner

Das Projekt entstand durch die Initiative der Partnerschaft für Demokratie Jena in Kooperation mit:

  • KoKont
  • Partnerschaft für Demokratie
  • ezra
  • Migrations- und Integrationsbeirat
  • FD Migrationsdienst
  • Ansole
  • Iberoamérica e.V.
  • Migranetz
  • JG Stadtmitte
  • Antidiskriminierungsstelle Stadt Jena
  • Runder Tisch für Demokratie